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Studentisches KI-Konzept trifft Bundesagenda

Studierende der HSPV NRW entwickeln prädiktive Verwaltungs-App

© Phil Dera Photography

Münster, März 2026. Fünf von 89 Studierendenteams haben es in diesem Jahr in das Finale der Digital Future Challenge geschafft. Eines davon kommt aus dem Studiengang Verwaltungsinformatik der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW. Am 12. Februar 2026 präsentierte das Team sein Konzept bei Google in Berlin vor Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung Dr. Karsten Wildberger, der Schirmherr des Wettbewerbs war. Wildberger betonte in seiner Begrüßung, sein Ministerium beschäftige sich intensiv mit Fragen rund um KI-Agenten in der Verwaltung, und er hob hervor, dass ihm Hochschulen wie die HSPV NRW in diesem Zusammenhang besonders am Herzen lägen. Die Frage nach dem Nachwuchs in diesem Feld sprach Christina Gumbel vom HSPV-Team wenig später direkt auf der Bühne an.

Der Assistent

Das Konzept heißt LeLa, kurz für Lebenslagenassistent. Die konzeptionelle Ausgangsfrage ist dabei keine technische: Warum werden Bürgerinnen und Bürger strukturell in die Pflicht genommen, Verwaltungsabläufe zu kennen und zu initiieren, auf die sie einen gesetzlichen Anspruch haben? Versäumte Fristen und nicht in Anspruch genommene Leistungen sind keine Einzelfälle, sondern systemische Folge einer reaktiven Verwaltungslogik.

LeLa adressiert dieses Designproblem durch einen Paradigmenwechsel: Nach einmaliger Authentifizierung über die BundID begleitet die Applikation Nutzerinnen und Nutzer proaktiv entlang ihrer Lebenslagen. Zwei Wochen nach einer Geburt etwa generiert LeLa einen vorausgefüllten Kindergeldantrag, weist die genutzten Datenquellen transparent aus und gibt der nutzenden Person die Entscheidungshoheit über Annahme, Ablehnung oder spätere Erinnerung.

Technisch basiert LeLa auf dem National Once Only Technical System (NOOTS), der durch Bundestagsbeschluss in die Umsetzung überführten Registerinfrastruktur für den behördenübergreifenden Datenaustausch. Die Systemlogik kombiniert regelbasierte Trigger mit einem eigens entwickelten KI-Modell, das auf Basis der im Onlinezugangsgesetz definierten Lebensereignisse Vorhersagen über künftig relevante Verwaltungskontakte generiert. Datenfreigaben erfolgen granular, transparent und jederzeit widerrufbar. Die Applikation ist mehrsprachig und barrierefrei ausgelegt und erhält den analogen Beratungszugang als gleichwertigen Kanal aufrecht. Das Konzept erarbeiteten Ilona Dyck (Stadt Bielefeld), Astrid Gemen (Stadt Ahaus), Robert Gottschalt (Polizei NRW Bielefeld), Christina Gumbel (Stadt Detmold) und Marvin Hoppe (Polizei NRW Bielefeld). Alle fünf sind neben dem Studium hauptberuflich im öffentlichen Dienst tätig. Das KI-Modell entstand in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Nicolai Krüger, dessen Forschungsschwerpunkt resiliente KI-Architekturen für den Public Sector umfasst.

Was das Ministerium parallel plante

Am 26. Februar 2026 kündigte Bundesminister Wildberger auf dem Handelsblatt GovTech-Gipfel in Berlin eine bundesweite Bürger-App an. Sie soll auf Basis der BundID staatliche Leistungen zentral zugänglich machen und Bürgerinnen und Bürgern administrative Prozesse proaktiv erleichtern. Dass hinter verschlossenen Türen im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung offenbar parallel an einer konzeptionell ähnlichen Idee gearbeitet wurde, macht das Ergebnis der Studierenden rückblickend noch bemerkenswerter. Beide Entwürfe entstanden unabhängig voneinander. Das ist ein Hinweis darauf, dass das Studierendenteam eine Problemstellung bearbeitet hat, die auf Bundesebene zur gleichen Zeit als prioritär eingestuft wurde. Beim selben Event wurde Prof. Dr. Nicolai Krüger zudem als „Young Leader in GovTech 2026“ in der Kategorie Wissenschaft & Zivilgesellschaft ausgezeichnet.

Forschungskontext

Die Teilnahme am Wettbewerb war Teil der Lehrveranstaltung E-Government im Studiengang Verwaltungsinformatik, eingebettet in ein Lehrformat, das forschungsnahes Studieren mit realen Problemstellungen der Verwaltungsdigitalisierung verbindet. Im gleichen Zeitraum startete das erste externe Promotionsvorhaben im Fachbereich Verwaltungsinformatik an der HSPV NRW, betreut durch Prof. Dr. Nicolai Krüger und Prof. Dr. Frank Teuteberg von der Universität Osnabrück, mit Fokus auf KI-gestützten Simulations- und Entscheidungsmodellen für Urban Hubs. Ein laufender Drittmittelantrag soll diesem Programm eine weitere institutionelle Grundlage geben.

Die mittelfristige Perspektive geht über Wettbewerbsbeiträge hinaus. Konzepte wie LeLa sollen didaktisch weiterentwickelt werden: von der studentischen Konzeptionsarbeit zur prototypischen Implementierung, begleitet durch wissenschaftliche Publikationen, die den Erkenntnistransfer in die Forschungsgemeinschaft sicherstellen.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Nicolai Krüger Verwaltungsinformatik, HSPV NRW, Studienort Münster nicolai.krueger@hspv.nrw.de

Originalmeldung
https://www.hspv.nrw.de/nachrichten/artikel/mit-lela-ins-finale

Ansprechperson:
Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen
Teildezernatsleitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Hochschulentwicklung / Pressesprecher
Florian Bury
+49 (0)209 1659 3411
florian.bury@hspv.nrw.de

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2026-04-29T12:30:28+02:0029.04.2026|Kategorien: Digitalisierung, Lehre und Studium|Tags: |

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