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Promotionen

Promotionen2019-04-04T14:46:39+02:00

In kooperativen Promotionen wird an Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften (FH/HAW) in NRW an zukunftsorientierten Lösungen geforscht. In dieser Rubrik stellen wir nach und nach erfolgreich abgeschlossene Promotion aus den Mitgliedshochschulen vor und zeigen etwa auf, welche Herausforderungen den Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern auf dem Weg hin zum Doktorhut begegnet sind.

Prof. Dr. Thomas Kopinski | Hochschule Ruhr West

Neural Learning Methods for Human-Machine Interaction

Prof. Dr. Thomas Kopinksi promovierte von November 2012 bis Februar 2016 kooperativ am Autonomous Systems and Robotic Lab der Université Paris-Saclay und am Institut für Informatik der Hochschule Ruhr West. Das Projekt wurde innerhalb des ZIM-Programms vom BMWi gefördert.

Herr Kopinski, worum geht es in Ihrer Arbeit?

Es geht um Analyse und Optimierung künstlicher neuronaler Netze zur Optimierung von Handgestenerkennungssystemen.

Was war Ihre Motivation mit der Promotion zu beginnen?

Ich hatte immer vor, noch in die Forschung zu gehen und die Möglichkeit, eine bilaterale Forschungsaufgabe im Rahmen eines anwendungsnahen Projektes umzusetzen war die ideale Form, dieses zu tun. Hier konnte ich meinen bisherigen Werdegang und meine Interessen sinnvoll um ein weiteres Kapitel ergänzen.

Was war das Ziel ihres Forschungsprojekts? 

Das Ziel war es, mittels Machine Learning Algorithmen ein anwendungstaugliches System zu schaffen, welches Handgesten aus Time-of-Flight Daten erkennbar macht. Hierbei kamen neuartige Deep Learning Ansätze zu tragen, welche es erlaubten, Informationen aus bereits trainierten Netzen zu extrahieren und somit die Klassifikationsgüte zu verbessern.

Was sind für Sie persönlich Pro und Contra einer Promotion?

Pro: selbständiges, diszipliniertes Arbeiten, interdisziplinäre Themen, viel Freiheit, uvm.

Wie geht es nun weiter, wo sehen Sie ihre berufliche Zukunft?

Seit 2017 bin ich als Professor für Ingenieurinformatik an der Fachochschule Südwestfalen tätig und bin damit bereits da, wo ich hinwollte :)

Was raten Sie jungen Absolventen, die sich für eine Promotion interessieren?

Jeder, der an einer Promotion interessiert ist, sollte sich ein Thema aussuchen, für das er/sie brennt und mit dem er/sie sich indentifizieren kann.

© Dr. Christiane Grünloh

Dr. Christiane Grünloh | TH Köln

Harmful or Empowering? Stakeholders’ Expectations and Experiences of Patient Accessible Electronic Health Records

Dr. Christiane Grünloh promovierte kooperativ am KTH Royal Institute of Technology in Stockholm, Schweden. Die Medieninformatikern begann dort im Februar 2012 mit der Arbeit und schloss im November 2018 mit der Verteidigung ihrer Promotion ab.

Frau Grünloh, erklären Sie uns bitte, worum es sich in Ihrer Arbeit handelt?

Es geht um einen eHealth Dienst, der es Patienten in Schweden ermöglicht, über das Internet auf ihre elektronische Gesundheitsakte zuzugreifen. Dies wurde von Ärzten und den sie vertretenden Ärzteverbänden sehr kritisch gesehen. In meiner Dissertation habe ich mittels Interviews mit Ärzten und einer Umfrage mit Patienten die Erwartungen und Erfahrungen mit dem Dienst untersucht.

Was war Ihre Motivation, mit der Promotion zu beginnen?

Einerseits war ich des Lernens noch nicht müde und fasziniert von komplexen Anwendungsgebieten der Mensch-Computer Interaktion, in denen es keine einfachen Antworten gibt. Da ich auf dem zweiten Bildungsweg zum Studium kam und hierfür bereits meinen damaligen Job als Arzthelferin aufgegeben habe, war mir zudem klar, dass es hinsichtlich Promotion für mich hieß „Jetzt oder nie!“ Ich konnte mir nicht vorstellen, nach dem Master zunächst in die Industrie zu gehen und dann irgendwann mal eine Promotion zu beginnen.

Was war das Ziel ihres Forschungsprojekts?

Ich wollte besser verstehen, warum es in Schweden von Seiten des medizinischen Fachpersonals so viel Kritik gab, Patienten einen direkten Zugang zu ihrer elektronischen Gesundheitsakte zu geben. Die Kritik schien sich nicht auf Fragen der Datensicherheit zu beziehen, sondern man befürchtete, dass sich durch den Dienst die Arbeitsbelastung im Gesundheitswesen erhöhen würde und befürchtete, dass es schädlich für Patienten sei, ihre Akte direkt lesen zu können. Diese wiederum schienen den direkten Zugang zu begrüßen.

Was sind für Sie persönlich Pro und Contra einer Promotion?

Ich habe während der Promotion sehr viel gelernt und mich fachlich, methodisch und menschlich weiter entwickelt. Zum Beispiel, kollaboratives Arbeiten in internationalen Teams, wissenschaftliches Schreiben von Fachartikeln und dessen Koordination mit verschiedenen Co-Autoren; Anwendung und Entwicklung von wissenschaftlichen Methoden; Kommunikation und Diskurs von Ergebnissen, um nur ein paar zu nennen. Die Promotion hat mir ermöglicht, sehr tief in einen Forschungsbereich einzusteigen, für den ich mich leidenschaftlich interessiere und dabei habe ich viele internationale Forscherinnen und Forscher kennen gelernt.

Wer sich für eine Promotion entscheidet, sollte sich allerdings bewusst sein, dass dies gerade zu Beginn zäh und zum Teil frustrierend sein kann. Gerade zu Beginn ist die Forschungsfrage noch unklar und man hat ggf. noch kein Netzwerk. Man braucht Durchhaltevermögen und gerade vor Deadlines gehört es leider nun mal dazu, dass man in seiner Freizeit und am Wochenende arbeiten muss. Dies gilt insbesondere dann, wenn man neben dem Job promoviert.

Wie sah eine normale Woche aus – wie viele Stunden haben Sie für die Promotion gearbeitet?

Ich hatte eine 3/4 Stelle an der TH Köln und war hier als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Medieninformatik tätig (d.h., Betreuung von Studierenden in der Lehre), sowie  als Studiengangskoordinatorin für Web Science.

Wie viel ich netto für die Promotion gearbeitet habe, kann ich unmöglich in Zahlen ausdrücken.  Im normalen Vorlesungsbetrieb während des Semesters oder nach großen Meilensteinen trat die Doktorarbeit eher in den Hintergrund. Dann gab es wiederum Zeiten, wo ich sehr intensiv an der Promotion arbeiten konnte. Zum Beispiel während der vorlesungsfreien Zeit, wenn ich selbst keine studentischen Projekte betreut habe. Gerade vor Abgabefristen habe ich dann auch häufiger Tag und Nacht, sowie am Wochenende gearbeitet.

Wie ging es für Sie nach der Promotion weiter – Wirtschaft oder Wissenschaft?

Momentan befinde ich mich in einer beruflichen Auszeit und werde für die nächsten Monate zusammen mit meinem Mann ein wenig reisen. Nach über 6.5 Jahren Doppelbelastung durch Beruf und Promotion, war der Abschluss meiner Promotion der perfekte Zeitpunkt, eine Auszeit zu nehmen. Ich würde gerne weiterhin forschend tätig sein, was mit „User Research“ im Bereich Mensch-Computer Interaktion sowohl in der Wirtschaft als auch im akademischen Bereich möglich ist. Ich kann mir grundsätzlich beides vorstellen und lasse es auf mich zukommen.

Welche Erfahrung während Ihrer Promotion sticht heraus?

Die tolle Zusammenarbeit mit den großartigen Forscherinnen und Forschern des DOME Konsortiums und der HTO Forschungsgruppe in Schweden, sowie die Kontakte, die ich auf internationalen Konferenzen knüpfen konnte. Da ich ja in Deutschland gearbeitet, aber in Schweden promoviert habe, habe ich den fachlichen Austausch während der Konferenzen und durch die online Kollaboration mit anderen Forscherinnen und Forschern sehr genossen.

Dr. Julia Sachs | TH Köln

Pharmakologische Charakterisierung neuer Wirkstoffkandidaten zur Behandlung multiresistenter Tumore

Dr. Julia Sachs promovierte kooperativ am Institut für Biochemie der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf und der Arbeitsgruppe Bio-Pharmazeutische Chemie der Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften der TH Köln. Das Projekt wurde vom BMWi finanziert.

Frau Sachs, was ist das Spannende an Ihrem Forschungsthema?

Auch wenn es für die Patienten eine schlechte Prognose bedeutet, ist es für mich sehr spannend, welche verschiedenen Wege und Mechanismen Krebszellen sozusagen finden und entwickeln, um die Medikamente unwirksam zu machen und der Therapie zu entkommen. Es ist sehr interessant, welche Fülle an Substanzen die Natur für uns bereithält und in dieser Vielfalt mögliche Wirkstoffe zu suchen und im Idealfall auch zu finden. Besonders gefällt mir auch, dass mein Projekt Teil eines interdisziplinären Forschungsteams ist, bestehend aus drei Hochschulgruppen und einer Firma. 

Welche Ziele verfolgt Ihr Forschungsprojekt?

Gemeinsam versuchen wir, neue Wirkstoffkandidaten zu finden und somit möglicherweise einen Schritt in Richtung Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten zu gehen und Krebs wirksamer bekämpfen zu können. Meine Aufgabe ist hierbei die biologische Testung der Naturstoffe in Tumorzellen. 

Welche Erfahrung während Ihrer Promotion sticht heraus? 

Eine ganz besondere Erfahrung während meiner Promotion war die Teilnahme an der internationalen Gordon Research Conference “Multi-Drug Efflux Systems” im März 2017 in Texas. Hier wurde ich ausgewählt, meine Arbeit in Form einer Präsentation vor Fachpublikum vorzustellen und zu diskutieren. Außerdem hatte ich die Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen und Kooperationen aufzubauen.

Wie geht es jetzt für Sie nach der Promotion weiter – Wirtschaft oder Wissenschaft?

Auf lange Sicht sehe ich mich eher in der Wirtschaft. Ich kann mir aber gut vorstellen, nach der Promotion zunächst noch für einen Postdoc an einer Hochschule zu bleiben. 

Welche Ratschläge geben Sie künftigen Promovierenden mit auf den Weg?

Finde ein Thema, das dich begeistert, dann ist es leichter mit Rückschlägen umzugehen und motiviert zu bleiben, wenn es (mal wieder) nicht so läuft wie geplant.