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Promotionen

Promotionen2018-09-13T13:11:59+00:00

In kooperativen Promotionen wird an Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften (FH/HAW) in NRW an zukunftsorientierten Lösungen geforscht. In dieser Rubrik stellen wir erfolgreich abgeschlossene Promotion vor und zeigen etwa auf, welche Herausforderungen den Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern auf dem Weg hin zum Doktorhut begegnet sind.

Dr. Julia Sachs | TH Köln

Pharmakologische Charakterisierung neuer Wirkstoffkandidaten zur Behandlung multiresistenter Tumore

Julia Sachs promovierte kooperativ am Institut für Biochemie der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf und der Arbeitsgruppe Bio-Pharmazeutische Chemie der Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften der TH Köln. Das interdisziplinäre Kooperationsprojekt wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie finanziert.

Frau Sachs, was ist das Spannende an Ihrem Forschungsthema?

Auch wenn es für die Patienten eine schlechte Prognose bedeutet, ist es für mich sehr spannend, welche verschiedenen Wege und Mechanismen Krebszellen sozusagen finden und entwickeln, um die Medikamente unwirksam zu machen und der Therapie zu entkommen. Es ist sehr interessant, welche Fülle an Substanzen die Natur für uns bereithält und in dieser Vielfalt mögliche Wirkstoffe zu suchen und im Idealfall auch zu finden. Besonders gefällt mir auch, dass mein Projekt Teil eines interdisziplinären Forschungsteams ist, bestehend aus drei Hochschulgruppen und einer Firma. 

Welche Ziele verfolgt Ihr Forschungsprojekt?

Gemeinsam versuchen wir, neue Wirkstoffkandidaten zu finden und somit möglicherweise einen Schritt in Richtung Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten zu gehen und Krebs wirksamer bekämpfen zu können. Meine Aufgabe ist hierbei die biologische Testung der Naturstoffe in Tumorzellen. 

Welche Erfahrung während Ihrer Promotion sticht heraus? 

Eine ganz besondere Erfahrung während meiner Promotion war die Teilnahme an der internationalen Gordon Research Conference “Multi-Drug Efflux Systems” im März 2017 in Texas. Hier wurde ich ausgewählt, meine Arbeit in Form einer Präsentation vor Fachpublikum vorzustellen und zu diskutieren. Außerdem hatte ich die Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen und Kooperationen aufzubauen.

Wie geht es jetzt für Sie nach der Promotion weiter – Wirtschaft oder Wissenschaft?

Auf lange Sicht sehe ich mich eher in der Wirtschaft. Ich kann mir aber gut vorstellen, nach der Promotion zunächst noch für einen Postdoc an einer Hochschule zu bleiben. 

Welche Ratschläge geben Sie künftigen Promovierenden mit auf den Weg?

Finde ein Thema, das dich begeistert, dann ist es leichter mit Rückschlägen umzugehen und motiviert zu bleiben, wenn es (mal wieder) nicht so läuft wie geplant.

Dr. Michael Rademacher | H-BRS

Schnelles Internet in ländlichen Gebieten mit Langstrecken-WLAN

Michael Rademacher schrieb seine Doktorarbeit kooperativ an der H-BRS und der Technischen Universität Kaiserslautern. Für seine Promotion forschte er anwendungsorientiert an einer WLAN-basierten Richtfunk-Lösung, mit der ländliche Gebiete kostengünstig mit schnellem Internet versorgt werden können. Die Ergebnisse fließen in die Verbesserung der WiBACK-Technologie von Fraunhofer und DeFuTech.

Herr Rademacher, bei welcher Problemstellung setzt Ihre Promotion an?

Für viele Menschen ist der Zugang zu schnellem Internet zu einer alltäglichen Selbstverständlichkeit geworden. Gerade in Entwicklungsländern, aber auch in ländlichen Gebieten in Deutschland, ist dieser Zugang jedoch oft nicht gewährleistet. Dies führt zu einer wirtschaftlichen und soziologischen Spaltung der Gesellschaft. Ein relativ neuer Ansatz basiert darauf, handelsübliche WLAN-Funkmodule zu nutzen, um kostengünstige Richtfunkstrecken über mehrere Kilometer aufzubauen. Das hohe Potenzial dieser Lösung besteht im Vergleich zu konventionellen Techniken durch die geringen Kosten für den Aufbau und den Betrieb des Netzes. WLAN-Module sind günstig in der Anschaffung und die Nutzung von freien Frequenzen führt zur einer massiven Einsparung im Vergleich zur Nutzung von lizenzierten Mobilfunkdiensten. Erste erfolgreiche Feldversuche in Niedersachsen, Italien und Tansania konnte ich bereits während meines Master-Studiums begleiten. In meiner Promotion erforsche ich Möglichkeiten, die Qualität dieser WLAN-basierten Richtfunk-Lösung weiter zu verbessern, etwa durch die Vorhersage von Signalstärken, Optimierung des Protokolls auf lange Distanzen sowie einer intelligenten Verteilung von Frequenzen im gesamten Netzwerk.

Warum haben Sie sich entschlossen, zu promovieren?

Dafür gab es mehrere Gründe. Der wichtigste Grund ist jedoch, dass mich das Thema durch die Vielschichtigkeit und Praxisrelevanz fasziniert. Auf der wissenschaftlichen Ebene beschäftige ich mich mit dem Entwurf, der Analyse und der Implementierung von Netzwerkalgorithmen. Die Resultate dieser theoretischen Arbeiten finden jedoch schnell ihren Weg in reale Funknetze und bieten damit einen Mehrwert für Personen, die derzeit gar nicht oder nicht optimal mit Internet versorgt sind.

Wie haben Sie von der „kooperativen Promotion“ erfahren?

Ich bin nach meinem Masterabschluss gemeinsam mit meinen Chef vom Fraunhofer-Institut an die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg gewechselt. Aus gemeinsamen Forschungsprojekten gab es bereits einen guten Kontakt nach Kaiserslautern. Deshalb war es sehr für mich einfach, einen universitären Betreuer für meine Promotion und das Thema zu finden.

Aus eigener Erfahrung: Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf bei kooperativen Promotionen generell?

Ich bin derzeit sehr zufrieden mit meiner kooperativen Promotion. Verbesserungsbedarf sehe ich jedoch in der „Einzelkämpfer-Symptomatik“ als Doktorand an einer Hochschule. Im Vergleich zu universitären Lehrstühlen mit zahlreichen Doktoranden ist der tägliche fachliche und menschliche Austausch sowie die gegenseitige Motivation nicht so einfach möglich. Ebenfalls fehlt es derzeit an erfahrenen Post-Docs, die einem durch ihre Erfahrungen wichtige Tipps auf dem Weg zu erfolgreichen Promotion geben könnten.

Wie geht’s nach der Promotion für Sie weiter – Wirtschaft oder Wissenschaft?

Sehr gute Frage. Ich arbeite sehr gerne in der Wissenschaft und auch mit Studierenden. Aber auch die hohen und speziellen Anforderungen der Wirtschaft finde ich reizvoll. Am liebsten wäre mir eine Kombination aus beidem, vielleicht eine industrielle Forschungsstelle mit Anschluss an eine akademische Einrichtung.

Was machen Sie, wenn Sie gerade nicht an Ihrer Promotion arbeiten?

Ich verbringe sehr gerne Zeit mit Freunden und mache Sport. Wenn es die Zeit zulässt, versuche ich viele verschiedene Länder zu bereisen.