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Plastik hinter dem Eisernen Vorhang.

Blumengießkanne aus dem Volkseigenen Betrieb Glasbijouterie Zittau (1960), Design: Klaus Kunis. (Bild: Die Neue Sammlung – The Design Museum / Alexander Laurenzo).

© The Design Museum | Alexander Laurenzo

Köln, 23. April 2021. Ein Kinderfriseur-Spieleset, eine Gießkanne aus den 60er Jahren, ein elektrisches Fußpflegeset im Space-Age Design und ein eiförmiger Gartenstuhl: Diese und viele weitere Alltagsgegenstände aus der ehemaligen DDR stehen im Mittelpunkt des neuen Forschungsprojekts „German Democratic Plastics in Design“.

Das Getty Conservation Institute (GCI) in Los Angeles, die Neue Sammlung – The Design Museum in München, das Wende Museum of the Cold War in Los Angeles und die TH Köln wollen in dem Vorhaben Fragen im Zusammenhang mit der Herstellung, Gestaltung und Erhaltung von Kunststoffprodukten der DDR-Zeit untersuchen.

Die Forschung

In dem Forschungsprojekt werden in einer großangelegten Reihenuntersuchung mehr als 300 Haushaltsobjekte der ehemaligen DDR aus der Zeit zwischen 1949 und 1990 untersucht, dokumentiert und verglichen. Das Wende Museum und Die Neue Sammlung – The Design Museum haben mehrere tausend solcher Kunststoffobjekte aus dem Bereich Alltagskultur in ihren Sammlungen. Viele der farbenfrohen Stücke sind herausragende Design-Leistungen und repräsentieren die moderne Ästhetik, die nach dem Zweiten Weltkrieg von Verbraucherinnen und Verbrauchern in vielen Ländern bevorzugt wurde.

Nach der Teilung Deutschlands entwickelte sich die DDR rasch zu einer der führenden kunststoffproduzierenden Nationen und exportierte ihre Produkte in fast alle Länder des Ostblocks und teilweise sogar in den Westen. Die angewendeten Produktionsmethoden waren dabei vom westlichen Einfluss weitgehend unberührt. „Die Forschung hat sich bisher wesentlich auf die Konservierung von Objekten aus dem Westen konzentriert. Mit diesem Projekt beleuchten wir diese sehr ansprechenden, für den Alltag konzipierten Kunststoffgegenstände aus Ostdeutschland. Die gewonnenen Erkenntnisse bezüglich deren Herstellungsweise helfen uns, sicherzustellen, dass diese archetypischen Gebrauchsartikel für die Nachwelt erhalten bleiben“ sagt Odile Madden, leitende Wissenschaftlerin am Getty Conservation Institute.

Alterung von Kunststoffen

„So unverwüstlich Kunststoff auch erscheinen mag, viele historisch bedeutsame Kunststoffobjekte altern dramatisch – sie verspröden, werden weich, reißen und können im Laufe der Zeit komplett zerfallen. Deshalb arbeiten weltweit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, die Alterung von Kunststoffen in Kunstwerken und historisch wichtigen Alltagsgegenständen systematisch zu untersuchen und Lösungskonzepte für deren Erhalt zu entwickeln. Durch die analytische Untersuchung von Kunststoffen lassen sich diese strukturell besser charakterisieren, Alterungsprozesse optimaler prognostizieren und Erhaltungsstrategien individueller anpassen“, sagt Prof. Dr. Friederike Waentig vom Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der TH Köln.

Im dem Forschungsprojekt nutzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in temporär eingerichteten Analyselaboren vor Ort analytische Verfahren zur Identifikation von Kunststoffen und deren Zusammensetzung. Auch bislang eher vernachlässigte Aspekte wie der Einfluss des Produktionsverfahrens und der Nutzungsarten auf die Haltbarkeit von Kunststoffobjekten sind Gegenstand der Forschung. Durch visuelle Begutachtung konnten bereits erste interessante Hinweise auf die Fertigungsmethoden von Kunststoffen dokumentiert werden. So zeigen viele Objekte auf ihrer Unterseite geprägte Systemnummern; versteckte Indikatoren für Produktionsort, Materialwahl und manchmal sogar den vorab festgelegten Verkaufspreis.

Das große Ganze

Die Neue Sammlung – The Design Museum verfügt über eine kontinuierlich und zielgerichtet ausgebaute Sammlung von DDR-Designobjekten und über eine langjährige Forschungserfahrung bei der Konservierung moderner Materialien. Das Wende Museum bringt neben seiner Sammlung den Blick auf sowjetisch geprägte sozio-kulturelle Positionen im Design und der Kunst jener Zeit in das Vorhaben ein. Das Getty Conservation Institut und sein Team von Kunststoffwissenschaftlern und -restauratoren fördern seit vielen Jahren die Konservierung von Kulturgut und das Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der TH Köln steuert seine umfangreiche Forschungsexpertise und sein Wissen über die Geschichte, Analyse und Konservierung von Kunststoffen bei.

Das Projekt wird von einer Ausstellung (Projekttitel: House of plastics) sowie einer abschließenden Fachtagung begleitet. Die Forschungsergebnisse werden in der Schriftenreihe des Getty Conservation Institute publiziert.

Originalmeldung:
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Ansprechpartnerin:
TH Köln
Sybille Fuhrmann
Leiterin Hochschulkommunikation
0221 8275 3051
sybille.fuhrmann@th-koeln.de

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2021-04-27T15:13:29+02:0026.04.2021|Kategorien: Gesellschaft|Tags: |
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