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Ein Forschungsprojekt der FH Bielefeld untersucht Geschlechterbilder von Studierenden

© FH Bielefeld/P.Pollmeier

Bielefeld, den 04. Mai 2022. Was definiert mich als „Mann“, „Frau“ oder „divers“? Welche Geschlechteridentitäten existieren in der Gesellschaft? Und wie gehe ich mit Menschen um, die meine Identität nicht respektieren? Diesen Fragen stellten sich Studierende des Fachbereichs Sozialwesen der Fachhochschule (FH) Bielefeld. Unter der Leitung von Prof. Dr. Cornelia Muth untersuchte das Forschungsprojekt „Das plurale Wir (in) der Gesellschaft stärken“ die Konstruktionen der Studierenden zum Thema Gender und Geschlechteridentitäten. Ein Ergebnis: In unserer pluralisierten und heterogenen Gesellschaft finden nicht alle Menschen die notwendigen Räume, Vielfalt frei und ohne Angst ausleben zu können.

„Demokratie ist nur plural möglich!“

„Vereinfacht gesagt bedeutet Pluralismus, dass in einer Gemeinschaft unterschiedliche Individuen existieren“, erklärt Cornelia Muth, die als Professorin für Erziehungswissenschaften am Fachbereich Sozialwesen lehrt und forscht. Das umfasst nicht nur Geschlechteridentitäten, sondern beispielsweise auch politische oder religiöse Ansichten. „Demokratie ist nur plural möglich. Ich muss Vielfalt aber auch wirklich erfahren können, sie darf kein theoretisches Konstrukt bleiben“, so Muth.

Forschungsprojekt untersuchte geschlechterspezifische Konstruktionen der Studierenden in zwei Seminaren

Die gelebte oder unterdrückte Pluralität in Bezug auf Geschlechteridentitäten von Studierende des Fachbereichs Sozialwesen untersuchte Prof. Dr. Cornelia Muth im vergangenen Semester gemeinsam mit Bianca Dahlke, Sina Tannimara Löwe und Isabell Harstick vom Fachbereich Sozialwesen sowie Prof. Dr. Annette Nauerth vom Fachbereich Gesundheit. In einem Bachelor- und einem Masterseminar wurden die subjektiven geschlechterspezifischen Konstruktionen sowie die Akzeptanz und Toleranz heterogener Lebensformen der teilnehmenden Studierenden unter die Lupe genommen: Welche Geschlechteridentitäten kennen die Studierenden? Wie definieren sie sich selber? Haben sie bereits Diskriminierungserfahrungen gemacht? Untersucht wurden dafür die Wortbeiträge und die Entwicklung der Gruppendynamik während des Semesters. „Wir berühren damit sehr private Bereiche. Deswegen war es wichtig, die Studierenden nicht zu drängen, sondern sie selber berichten zu lassen“, so Muth.

Fehlende sichere Räume für alle Geschlechteridentitäten

Überrascht waren die Forscherinnen davon, dass sich die Erfahrungen aus dem Bachelor- und Masterseminar unterschieden: Während die Studierenden im Bachelorseminar noch stark in binären Geschlechteridentitäten (Mann-Frau) dachten, zeigten sich die Masterstudierenden breiter aufgestellt in ihrer Reflexion und nahmen Identitäten zunehmend fluider wahr. „Ein Problem, das in beiden Seminaren thematisiert wurde, waren fehlende Räume, in denen sich Männer jenseits patriarchalischer Vorstellungen vom ‚starken Mann‘ begreifen und bewegen können“, so Muth. Prägendes Thema bei den Studentinnen war dagegen eine enge Verknüpfung von einem Angstgefühl und ihrer Identität als Frau.

Prof. Dr. Cornelia Muth war es wichtig, die Studierenden für Fragestellungen in ihren späteren Berufsfeldern zu sensibilisieren: „Als Sozialarbeiterin oder Erzieher wird man mit Herausforderungen rund um Geschlechteridentitäten konfrontiert und muss damit feinfühlig umgehen können.“

Dialogisches Setting ohne absolute Wahrheiten

Vorgestellt wurden die Forschungsergebnisse in einem dialogischen Abendsymposium in der FH Bielefeld: Studierende, Lehrende, Forschende und Alumni tauschten sich über die Ergebnisse aus den Seminaren, aber auch über ihre eigenen Erfahrungen aus. Die Vortragsform war dabei keinesfalls willkürlich gewählt. Prof. Muth: „In einem dialogischen Setting nach dem Konzept des Philosophen David Bohm steht ein kollektiver Denk- und Gruppenprozess aller Teilnehmenden im Vordergrund und intendiert dabei ein offenes, gemeinsam gestaltetes Gespräch. Fern von der Annahme, dass es absolute Wahrheiten gibt, wird somit ein Raum geschaffen, in dem unterschiedliche Meinungen respektvoll miteinander ausgetauscht werden, ohne beteiligte Personen von individuellen und singulären Ansichten und Einstellungen überzeugen zu wollen.“

Originalmeldung:
https://www.fh-bielefeld.de/presse/pressemitteilungen/mann-frau-divers-forschungsprojekt-der-fh-bielefeld-untersuchte-geschlechterbilder-von-studierenden

Ansprechpartner:
FH Bielefeld
Hochschulkommunikation
Verena Kukuk
+49 (0)521 106 70835
grewe-koenig@fh-bielefeld.de

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2022-05-09T13:15:06+02:0009.05.2022|Kategorien: Gesellschaft, Lehre und Studium|Tags: |

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