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Chatbots helfen Menschen mit geringer Literalität.

Digitale Hilfsmittel unterstützen Menschen mit geringer Literalität bei der Bewältigung ihres Alltags. Jetzt kommt im Forschungsprojekt „ALFA-Bot“ erstmals die Chatbot-Technologie zum Einsatz. (Bild: BMBF/Bild-Kraftwerk/Kurc).

© BMBF | Bild-Kraftwerk | Kurc

Münster/Steinfurt, 29. April 2021. 6,2 Millionen Menschen in Deutschland können nicht ausreichend lesen und schreiben, so die LEO-Studie aus dem Jahr 2018. Betroffenen fällt es schwer, ihren Alltag zu bewältigen und am Arbeitsleben teilzunehmen. Seit Jahren gibt es Bemühungen, die Menschen besser zu fördern – und immer mehr kommen dabei digitale Hilfsmittel zum Einsatz. Jetzt ist an der FH Münster ein Projekt gestartet, das sich erstmals mit der Chatbot-Technologie zur Unterstützung von Menschen mit geringer Literalität beschäftigt. „ALFA-Bot“ heißt das Vorhaben, bei dem der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung Partner ist. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt mit 500.000 Euro.

Simpel und verständlich

„Chatbots sind künstliche virtuelle Dialogpartner, die heutzutage in erstaunlicher Qualität agieren. Und seit Kurzem lassen sie sich als massentaugliche Plattform realisieren – das kommt uns jetzt zugute, denn wir wollen eine App entwickeln, die auf der Chatbot-Technologie basiert“, erklärt Prof. Dr. Gernot Bauer, Leiter des Labors für Software Engineering. Dieses ist ein Teil des Instituts für Gesellschaft und Digitales (GUD), und dort unterstützen zwei wissenschaftliche Mitarbeiter das Vorhaben: Simon Proost und Robert Memering. „Chatbots bieten mehrere Vorteile für unsere Zielgruppe“, sagt Proost. „Man ist anonym unterwegs, was die Hemmungen in der Kommunikation senkt. Außerdem findet diese Dialogform sehr niedrigschwellig und in leicht verständlicher Sprache statt.“

Funktionen

Die App hat zwei wichtige Funktionen: Sie soll zum einen Unterstützung für das alltägliche Leben und zum anderen konkrete Lehreinheiten bieten. „Menschen mit geringer Literalität sprechen mit der App und stellen ihr Fragen, etwa wie das Wahlsystem funktioniert. Die App antwortet in gesprochener Sprache und gleichzeitig mit Texten. Diese Parallelität sorgt ganz nebenbei und quasi spielerisch für einen Lerneffekt“, so Bauer. Eine reine Lern-App wolle das Team ganz bewusst nicht konzipieren, denn diese schrecke Betroffene eher ab.

Politischer Einsatz ermöglicht

Für die Bundestagswahl 2021 entwickeln Bauer, Proost und Memering zusammen mit dem Bundesverband einen ersten Prototyp. Dieser soll informieren, was genau eine Wahl ist, was eine Stimme bewirkt und wer die Kandidat*innen sind. „Wir versuchen seit Jahren, Menschen mit geringer Literalität an das Wahlsystem heranzuführen. Das geschieht zwar mit wachsendem Erfolg, doch jetzt erhoffen wir uns, dass wir unser Ziel dank der Chatbot-Technologie noch besser erreichen“, sagt Ralf Häder, Geschäftsführer des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung. Dabei müssen Verband und Wissenschaftler vor allem eine Herausforderung meistern: „Unser Hauptproblem ist, die Zielgruppe für das Testen zu gewinnen. Wir brauchen Proband*innen, die unseren Prototyp ausprobieren“, sagt Bauer. Der Experte für Mensch-Computer-Interaktion hofft, dass das gelingt – auch mit Unterstützung des Bundesverbandes. Das Projekt „ALFA-Bot“ läuft insgesamt drei Jahre.

Originalmeldung:
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Ansprechpartnerin:
FH Münster
Pressesprecherin
Katharina Kipp M.A.
+49 (0)251 83 64090
katharina.kipp@fh-muenster.de

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2021-04-30T13:48:05+02:0030.04.2021|Kategorien: Digitalisierung|Tags: |

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