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Alternative Mobilitätskonzepte

Forschungsprojekt “promuove” der Hochschule Rhein-Waal untersucht Bürgerbusvereine.

Bürgerbusvereine für die ländliche Region

© Pexels

Kleve/Kamp-Lintfort, 07. August 2017. „promuove“ ist ein durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördertes interdisziplinäres Forschungsprojekt an der Fakultät Gesellschaft und Ökonomie der Hochschule Rhein-Waal, das unter anderem die Bereitschaft zur Nutzung neuer Verkehrswege und -mittel untersucht und wie hierfür adäquate Anreize geschaffen werden können. Der Forschungsansatz vereint Methoden verschiedener Einzeldisziplinen – von der Volkswirtschaftslehre über die Soziologie bis hin zur Informatik.

Fortbewegung in Deutschland ist im Wandel. Wer früher ohne eigenes Auto nahezu ausschließlich mit Bus und Bahn unterwegs war, findet heute im Nahbereich viele unterschiedliche Angebote. Besonders in strukturarmen ländlichen Regionen etablieren sich Alternativen zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). „Wir wollen das Thema Verkehr an der Hochschule etablieren und neue Ideen für die Region um Kleve entwickeln“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Thomas Pitz, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Fakultät Gesellschaft und Ökonomie der Hochschule Rhein-Waal, die Idee hinter dem Forschungsprojekt. Im Jahr 2015 mit einer Umfrageaktion zum Thema „privates Carsharing“ gestartet, geht das Projekt 2017 mit dem Schwerpunkt „Bürgerbusvereine“ in die zwei Runde.

Demographischer Wandel und die oft angespannte Situation öffentlicher Haushalte wirft die Frage auf, wie die Mobilität von Bewohnerinnen und Bewohnern ländlicher Räume zukünftig gesichert werden kann. Die Hochschule Rhein-Waal fand heraus: Sinkendem Bedarf und damit einhergehend einer schleichenden Ausdünnung des traditionellen ÖPNV-Angebots begegnet die Landbevölkerung vielerorts durch ehrenamtliches Engagement: Organisiert in eingetragenen Bürgerbusvereinen, bedienen ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer mit Kleinbussen bestimmte Strecken nach einem festen oder flexiblen Fahrplan und schaffen so eine attraktive Mobilitätsalternative.

Was motiviert Fahrerinnen und Fahrer der Bürgerbusvereine, diese ehrenamtliche Arbeit auszuführen? 

Ehrenamtliches Engagement ist eine der Hauptvoraussetzungen für das Funktionieren eines Bürgerbusvereins. Im Rahmen von „promuove“ untersuchte die Hochschule im Frühjahr 2017 die Motivation für dieses Engagement. Über 300 Bürgerbusvereine im ganzen Bundesgebiet wurden befragt und mehr als 1000 Bürgerbusfahrerinnen und -fahrer beteiligten sich an der Umfrage. Die finale Auswertung des Rücklaufs ist noch nicht abgeschlossen, dennoch lassen sich bereits jetzt erste Ergebnisse ablesen:

Wer engagiert sich? 

82% der aktiven Bürgerbusfahrer sind männlich, im Schnitt etwa 65 Jahre alt und üben die Tätigkeit bereits seit 6 Jahren aktiv aus, wobei das Engagement seit 2012 stark zugenommen hat und kontinuierlich steigt (ein Großteil der Vereine wurde allerdings auch erst in den letzten 10 Jahren gegründet). Die weiblichen Fahrerinnen machen nur einen Anteil von 15% aus (3% ohne Angabe) und sind im Schnitt etwa 6 Jahre jünger als ihre männlichen Kollegen. Nur etwa 16% der Fahrerinnen und Fahrer sind unter 60 Jahre.

Was sind die wichtigsten Motivationsfaktoren? 

Die Gemeinschaft im Allgemeinen und insbesondere vor Ort unterstützen und stärken zu wollen, wurde von den Befragten als wichtigste Motivation für ihr ehrenamtliches Engagement genannt. Individuen, vor allem auch bekannte Personen zu unterstützen, empfinden die Fahrerinnen und Fahrer als fast genauso wichtig. Als etwas weniger wichtig rangierten die Möglichkeit zur sozialen Kontaktpflege und eine sinnvolle tägliche Aufgabe zu haben. Untergeordnet, aber dennoch relevant, sind für viele die Bestätigung und Anerkennung, die ihnen durch das ehrenamtliche Engagement entgegengebracht wird sowie die Freude an der Tätigkeit des Fahrens an sich. Wo die Touren gefahren werden, spielt allerdings eine weniger wichtige Rolle. Als weitere Gründe für ihr Engagement gaben viele Fahrerinnen und Fahrer an, dass sie als Vorbild und Ansporn für andere dienen wollen oder dass sie in den Vereinen eigene Ideen verwirklichen können. Ein „Wir-Gefühl“ und eine regionale Identität schaffen – diese beiden Aspekte wurden als sehr wichtig empfunden.

Ergebnisse und Ziele der Studie 

Die finalen Ergebnisse der Studie werden voraussichtlich 2018 vorliegen und sollen dazu beitragen, ehrenamtliches Engagement in Bürgerbusvereinen besser zu verstehen und entsprechend auch effizienter fördern zu können. Schon jetzt zeigt die Untersuchung, dass für ein dauerhaftes und nachhaltiges ehrenamtliches Engagement ein Zusammenspiel von verschiedenen Motiven zum Tragen kommt. Die Ausprägung der jeweiligen Motive kann sich individuell stark unterscheiden und daher müssen auch entsprechende Fördermaßnahmen dieser Vielfalt Rechnung tragen. Ein reiner Apell an moralische Verpflichtungen, Verantwortung und Nächstenliebe der Akteure reicht nicht. Für das nachhaltige Funktionieren eines Bürgerbusvereins bildet eine dauerhaft hohe Motivation der Aktiven den Kern für einen langfristigen Erfolg.

Origialmeldung:
https://www.hochschule-rhein-waal.de/de/aktuelles/pressemitteilungen/alternative-mobilitaetskonzepte-fuer-die-laendliche-region

Ansprechpartner:
Hochschule Rhein-Waal
Hochschulkommunikation
Magdalena Virgo
+49 (0)2821 806 73 226
magdalena.virgo@hochschule-rhein-waal.de
2018-01-18T13:49:15+01:0007.08.2017|Kategorien: Gesellschaft, Mobilität|Tags: |