Klimafolgenanpassung: Das geheime Leben unter den Bäumen am Hüffer-Campus

© BLB NRW
Münster, den 21. Mai 2026. Unsere Hochschule und der BLB NRW initiieren auf dem Hüffer-Campus ein wissenschaftlich begleitetes Leuchtturmprojekt zum nachhaltigen Regenwassermanagement. Mit Baumrigolen zeigen wir neue Wege auf für die Bewässerung von Stadtbäumen und die Ableitung von großen Regenmengen.
Vier frisch gesetzte Bäume zieren seit Kurzem den Vorgarten der Hüfferstiftung. Gepflanzt hat sie der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen (BLB NRW). Äußerlich unterscheiden sie sich nicht wesentlich von den rund 100.000 anderen Bäumen Münsters. Doch unter der Erde verbirgt sich neben jedem Baum eine Messstation beachtlichen Ausmaßes. Die vier Feldahorne sind Bestandteil eines Forschungsprojektes unserer Hochschule am Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt zu Baumrigolen, das in Zusammenarbeit mit dem BLB NRW entstanden ist. „Die klimatischen Veränderungen mit langen Trockenperioden, unterbrochen von starken Niederschlägen, stellen auch an uns als Bauherren und Eigentümer vieler Gebäude im Stadtgebiet neue Anforderungen“, sagt Markus Vieth, technischer Leiter der Niederlassung Münster des BLB NRW. „Bei starken Regenfällen fließen von Dachflächen große Wassermengen in die Kanalisation. In anhaltenden Trockenzeiten benötigen wir wiederum Wasser für Anpflanzungen und Grünanlagen unserer Liegenschaften.“ Bei der Konzeption des Hüffer-Campus hat das Projektteam des BLB NRW deshalb in Abstimmung mit den Hochschulen den Einbau von Baumrigolen vorgesehen.
Alleskönner Baumrigole
Eine Rigole ist eine Konstruktion zur Aufnahme, Zwischenspeicherung und Versickerung von Regenwasser. Da Prof. Dr. Helmut Grüning von unserem Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt bereits seit mehreren Jahren zu diesem Thema forscht, bot sich seine wissenschaftliche Begleitung an: „Durch ihre multifunktionale Wirkung leisten Baumrigolen einen wichtigen Beitrag zur Klimafolgenanpassung. Sie kombinieren die Bewässerung von Stadtgrün mit dem Rückhalt und der Versickerung von Oberflächenabflüssen. Vor allem Systeme mit Wasserspeicher können Überflutungsrisiken reduzieren“, beschreibt Grüning den Nutzen. Und genau solche Rigolen wurden vor der Hüfferstiftung eingebaut.
Dafür ließ der BLB NRW an zwei Seiten jeden Baumes zwei Metallbehälter in die Erde setzen. Jeder fasst knapp zwei Kubikmeter Wasser und verfügt über zwei Ebenen – einen Bewässerungsspeicher und einen darunterliegenden Retentionsraum. Bei Regen wird das Wasser von den Schrägdächern der Hüfferstiftung über Fallrohre und abgedeckte Rinnen am Boden in den obenliegenden Speicheraum geleitet, von dem aus seitlich durch Versickerung die Bäume bewässert werden. Sind die Bewässerungsspeicher wegen anhaltenden oder starken Regens voll, läuft das Wasser in den jeweils darunterliegenden Retentionsraum über. Was hier idealerweise mit dem Wasser geschieht, ist Gegenstand von Grünings Forschungsarbeit. So hat beispielsweise der Retentionsraum einer der Rigolen Schlitze im Boden, durch die das Wasser zur Grundwasseranreicherung in der Erde versickert. Eine andere Rigole verfügt über eine Pumpe, mit der vor erwarteten Starkregenereignissen der Retentionsraum in die Kanalisation entleert werden kann. Dadurch steht wieder mehr Speichervolumen für den Rückhalt beziehungsweise die zeitverzögerte Einleitung von Regenwasser in die Kanalisation zur Verfügung. Ein Beitrag, um die Überlastung der Kanalisation und mögliche Überschwemmungen zu vermeiden. Zwei weitere Rigolen erhalten Schwengelpumpen, mit denen Passanten und Anwohnende Wasser aus der zweiten Ebene hochpumpen und die Bäume bewässern können. So bekommt die Bewässerung von städtischem Grün auch eine soziale Komponente.
Komplexe Messtechnik für systematische Auswertung
Um festzustellen, welche Rigolenart für das städtische Regenwassermanagement am sinnvollsten ist, wird das Forschungsteam um Grüning sowohl die Wasserbehälter als auch die Bäume selbst mit Messinstrumenten und Sonden ausstatten. Alles, was zukünftig unter der Erde neben den vier Bäumen geschieht, wird systematisch erfasst, protokolliert und ausgewertet. Die Datenleitungen für dieses Monitoring hat der BLB NRW bereits verlegt. „Rigolen mit so einer komplexen Messtechnik gibt es in ganz Deutschland nicht“, sagt Grüning, der bereits ein Forschungsprojekt zu diesem Thema erfolgreich abgeschlossen hat. Bei seinen Projekten arbeitet er mit einem Nottulner Hersteller zusammen. So können Prototypen entwickelt und zur Marktreife gebracht werden.
„Von dem, was hier am Hüffer-Campus untersucht wird, können in Zukunft auch andere Städte profitieren“, betont Vieth, der mit Grüning bereits ein weiteres gemeinsames Projekt plant. Die Forschung ist auch deshalb von großer Bedeutung, weil beim Thema Rigolen verschiedene Interessen unter einen Hut gebracht werden müssen: „Der Einbau der Systeme erfordert eine Abstimmung mit den Grünflächenämtern, den Straßen- und Verkehrsplanern sowie den Genehmigungsbehörden. Wir sind hier also sehr interdisziplinär unterwegs“, sagt Grüning. Er ist optimistisch, dass seine Rigolensysteme den unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden. In jedem Fall haben die vier frisch gepflanzten Feldahorne vor der Hüfferstiftung ausgezeichnete Startbedingungen.
Originalmeldung:
https://www.fh-muenster.de/de/ueber-uns/newsroom/news/leuchtturmprojekt-zur-klimafolgenanpassung-das-geheime-leben-unter-den-baeumen-am-hueffer-campus
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