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Der Umgang mit Telearbeit

IAT untersucht Telearbeit in der Kinder- und Jugendhilfe: Zwischen Effektivität, Entgrenzung und neuer Work-Life-Balance.

 

(Bild: pixabay)

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Gelsenkirchen, 22. Juli 2019. Viele Mitarbeitende in der Kinder- und Jugendhilfe „tun es einfach“: Sie nutzen ihr privates Handy und Tablet für den Job, mit oder ohne Erlaubnis der Führungskräfte, arbeiten so flexibler, effektiver, schneller – und ohne Grenzen über ihre Arbeitszeit hinaus. „Telearbeit in der Kinder- und Jugendhilfe findet oft unter problematischen Bedingungen statt“ stellt ein explorativer Trend-Report im Rahmen einer Beitragserstellung aus dem Institut Arbeit und Technik (IAT/Westfälische Hochschule) fest. „Es wird Zeit, in dieser Branche eine von Arbeitgebern, Beschäftigten und Fachexperten gemeinsam getragene Initiative zur Nutzung digitaler Techniken und zur Telearbeit auf den Weg zu bringen!“

Umgang mit Telearbeit

Die Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe gehen sehr unterschiedlich mit Telearbeit um: Sie wird erlaubt und sogar gefördert, nur geduldet oder ganz verboten, stellte das IAT-Autorenteam Silke Völz, Michaela Evans und Prof. Dr. Josef Hilbert fest. Insbesondere, wer lediglich informell, also durch den Arbeitgeber nicht genehmigt, Telearbeit durchführt, erledigt diese oft in der Freizeit – ohne finanziellen oder Zeitausgleich. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit lösen sich auf – für Arbeitnehmer eventuell sogar ein Ventil, dem stetig ansteigenden Arbeitsdruck zu begegnen, der durch Fachkräftemangel und steigenden Dokumentationsaufwand verstärkt wird. Die Entgrenzung wird aber auch häufig freiwillig in Kauf genommen, um Beruf und Privatleben besser vereinbaren zu können.

Die Errungenschaften der Digitalisierung lassen sich in der Kinder- und Jugendhilfe vielfältig nutzen: Diktiersoftware wird auf privaten Endgeräten eingesetzt um längere Berichte zu verfassen. Für die Kommunikation untereinander, etwa bei Dienstplan-Absprachen, werden Messenger-Dienste genutzt, die auch im privaten Alltag Einsatz finden und erprobt sind. In der aufsuchenden Jugendarbeit, z.B. Hilfen zur Erziehung, ist große örtliche Flexibilität nötig: Treffen mit den Klienten finden vor Ort statt, außerhalb der Termine sind die Professionellen über Diensthandys überall erreichbar. Da Medien wie Messenger-Dienste, SMS oder E-Mail von der angesprochenen Klientel häufig akzeptiert und regelmäßig genutzt werden, lässt sich so eine bessere Nähe zu ihrer Lebenswelt herstellen. Die Nutzung von sozialen Netzwerken und damit verbundenen Nachrichten-Diensten erfordert jedoch eine besondere Sensibilität für den Schutz von Daten, zeigt der explorative Report.

Ausblick

Der Zukunft der Telearbeit in der Kinder- und Jugendhilfe prognostiziert das IAT-Team eine bedeutende Weiterentwicklung. Innovative Ideen gibt es bereits beispielsweise bei zahlreichen online-gestützten Beratungsangeboten per E-Mail, Chat oder in Foren, um neben den etablierten Präsenz- und Telefon-Beratungen eine neue Form anzubieten. Um die Nachteile von Telearbeit zu reduzieren und deren Vorteile zu nutzen, sei es jedoch notwendig, diese zu kennen und adäquat darauf zu reagieren. „Voraussetzung sind zunächst die Kommunikation zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber und klare Absprachen zur Telearbeit. Hier ist es zum Schutz der Arbeitnehmer unerlässlich, dass ein „Recht auf Abschalten“ etabliert und dessen Einhaltung kontrolliert wird.“ Auch Fortbildungen zum Zeitmanagement könnten hilfreich sein, ebenso die Sensibilisierung zum Thema Entgrenzung.

Die Ergebnisse des Trend-Reports sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Jugendhilfe veröffentlicht:
Völz, Silke / Evans, Michaela / Hilbert, Josef, 2019: Telearbeit in der Kinder- und Jugendhilfe: Die schwierige Suche nach einer neuen Work-Life-Balance. In: Jugendhilfe 57, H. 3, S. 258-264

Ihre Ansprechpartner/innen:
Silke Völz, Tel. 0209 1707-131, voelz@iat.eu
Michaela Evans, Tel. 0209 1707-121, evans@iat.eu
Prof. Dr. Josef Hilbert, Tel. 0209 1707-120, hilbert@iat.eu

Origialmeldung:
https://idw-online.de/de/news719595

Ansprechpartnerin:
Westfälische Hochschule
Leiterin Pressestelle
Dr. Barbara Laaser
+49 (0)209 9596 464
barbara.laaser@w-hs.de
2019-08-26T15:36:35+02:0022.07.2019|Kategorien: Digitalisierung, Gesundheit & Pflege|Tags: |