„E2Aero“ an der Westfälischen Hochschule entwickelt ein neues, kosteneffizientes Verfahren zur Herstellung von Aerogel-Platten

© Westfälische Hochschule | Yvonne Gather
Recklinghausen/Gladbeck, 08. Juni 2026. In diesem Frühjahr ist eine besondere Initiative am Recklinghäuser Campus der Westfälischen Hochschule an den Start gegangen: „E2Aero“ wird durch die Start-up-Förderung „Transfer.NRW“ mit 270.000 Euro gefördert und zielt auf die Entwicklung eines völlig neuen, kosteneffizienten Verfahrens zur Herstellung von Aerogel-Platten ab. Diese Hochleistungsdämmstoffe könnten künftig sowohl Gebäude als auch Fahrzeuge deutlich energieeffizienter machen. Der Kick-off markiert den Auftakt eines Forschungstransfer-Vorhabens, das innerhalb von nur zwei Jahren den Grundstein für eine eigenständige Ausgründung legen soll. Mittendrin: Dominik Zdunek, Chemiestudent im vierten Semester.
Dämmstoffe sparen Energie beim Heizen oder Kühlen, aber überall da, wo wenig Platz ist, z. B. in Autos, Kühlschränken oder Jalousiekästen, gibt es bislang aus Effizienzsicht häufig keine optimale Lösung. Aerogel-Platten zeichnen sich durch herausragende Wärmedämmeigenschaften aus und gelten damit als vielversprechendes Baumaterial für solche Anwendungen. Das Problem: Die Herstellung der feinen Strukturen ist sehr aufwändig, insbesondere die aktuell etablierte Trocknungsmethode ist zeit- und energieintensiv. Derzeit liegt der Schwerpunkt der Produktion außerhalb Europas.
Konkurrenz könnte es zukünftig aus Recklinghausen geben: Das Team von „E2Aero“ um Prof. Dr. Rainer Ostermann hat sich vorgenommen, mit der Entwicklung eines innovativen Herstellungsverfahrens diese Hochleistungsdämmstoffe kostengünstiger zu produzieren. Ein wichtiger Kopf im Entwicklungsteam ist Dominik Zdunek. Der 21-jährige Gladbecker studiert im vierten Semester Chemie – und befindet sich dazu inzwischen voll im Projektmanagement-Modus: „Ich war schon immer offen für das Thema Gründung, aber fest eingeplant war das nicht. Dieses Projekt ist aber ein sehr guter Anlass, in das Thema einzusteigen.“
Nach dem Abitur entschied sich Zdunek zunächst für eine Ausbildung zum Chemielaboranten, schwenkte aber nach kurzer Zeit auf das Chemiestudium an der Westfälischen Hochschule um. Hier fiel der hochmotivierte Student bereits im ersten Semester durch seine Leistungen und das ausgeprägte analytische Denken auf. Zwei Jahre später ist der 21-Jährige nicht nur Student, sondern auch Mitarbeiter, Deutschlandstipendiat und fester Bestandteil von „E2Aero“.
„Wir sind am Campus Recklinghausen im engen Austausch mit den Studierenden. So haben wir die Möglichkeit, Talente wie Dominik Zdunek früh zu identifizieren und zu fördern. Als Viertsemester ein Gründungsvorhaben vorzubereiten, ist eine anspruchsvolle Aufgabe, aber auch eine perfekte Gelegenheit, Praxiserfahrung zu sammeln“, so Prof. Ostermann. „Aktuell befindet sich die Chemie-Industrie im Krisen-Spar-Modus, aber mit Kompetenz, Engagement und Begeisterungsfähigkeit kann man auch an einer Hochschule innovative Vorhaben vorantreiben.“ Sein Team arbeitet bereits seit mehreren Jahren mit Partnern an porösen Materialien, um interessante Forschungsergebnisse und anwendbare Lösungen zu erarbeiten.
In den nächsten Monaten wartet noch viel Arbeit auf das Projektteam, wie Dominik Zdunek erklärt: „Zunächst muss ein Upscale vom Labormaßstab zu großen Dämmplatten gelingen, um die Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit zu zeigen und damit potenzielle Investoren zu überzeugen. Anschließend müssen die Produkte optimiert und bautechnisch geprüft werden.“ Parallel zu den technischen Aspekten bereitet das Projektteam mit zwei externen Coaches die Rahmenbedingungen für die Ausgründung vor, in 18 Monaten soll es voraussichtlich soweit sein.
„Wir sind von unseren Ideen überzeugt und wollen auch Verantwortung übernehmen, dass Deutschland und NRW innovative Standorte bleiben“, sind sich Prof. Ostermann und Dominik Zdunek einig.
Originalmeldung:
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