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Hygieneschleuse Rind

Verbesserung der Biosicherheit der rinderhaltenden Betriebe in NRW durch konsequente Nutzung einer Hygieneschleuse.

(Bild: pixabay).

© pixabay

Soest, 20. März 2020. Die Abgrenzung tierhaltender Betriebe vor gefährlichen Erregereinschleppungen und ausbreitungen (Biosicherheit) ist eine der wichtigsten präventiven Hygienemaßnahmen. In Zeiten nach der bundesweiten Sanierung von Tierseuchenerregern, wie BHV1, sichert sie grundlegend die Tierseuchenfreiheit ab. Doch auch die Verbreitung von anderen und auch nicht-Tierseuchenerregern wird durch adäquat umgesetzte und gelebte Biosicherheitsmaßnahmen verringert. Dies kann in der Folge – neben der Aufrechterhaltung der Tierseuchenfreiheit – zu geringeren Infektionsraten anfälliger Tiere führen.

Verschleppungen von Erregern erfolgen oft unbewusst durch nicht angepasstes Verhalten. Die Verschleppung wird teils billigend in Kauf genommen, da das Risiko der Keimverschleppung durch die eigene Person als gering eingeschätzt wird, was Untersuchungen zum eigenen Keimübertragungspotenzial durch Milchviehalter in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zeigten.
Auch auf Seiten der Landwirte ist die Bedeutung von Hygienekonzepten und im speziellen von Hygieneschleusen stark vom Alter abhängig. In einer Befragung vorrangig im Raum Emsland im Januar 2016 (kurz nach der Erlangung der BHV1-Freiheit in Niedersachsen) wurden in Interviews mittels eines standardisierten Fragebogens bei 117 Landwirten Daten zur Einstellung und Umsetzung von Biosicherheitsmaßnahmen erhoben. Insbesondere die Personengruppe im Alter von 26 bis 35 Jahre gab mit 91 Prozent an, dass eine Hygieneschleuse sehr bzw. eher wichtig ist. Diese Untersuchungen zur Einschätzung der Landwirte zum Übertragungspotenzial durch betriebsfremde Personen und Tiere sowie die Sinnhaftigkeit einer Hygieneschleuse zeigen, dass Landwirte vor dem Hintergrund konkreter Tierseuchenausbrüche bereits durchaus für den Keimeintrag von außen sensibilisiert sind – es fehlt jedoch die konsequente Umsetzung von Vermeidungsstrategien. Außerdem ist bekannt, dass mit der zeitlichen, räumlichen und persönlichen Entfernung zu einem Tierseuchenausbruch das Hygienebewusstsein abnimmt.

Interessant ist, dass die tatsächliche Umsetzung des Stiefel- und Kleidungswechsels in rinderhaltenden Betrieben von den geäußerten Einstellungen abweicht, d. h. das Handeln entspricht nicht dem Wissenstand bzw. der Motivation, also einer mangelnden Volition. In einer kombinierten Erhebung (Befragung, Besichtigung und Beprobung) in 32 rinderhaltenden Betrieben waren in 20 Betrieben Möglichkeiten zum Wechsel der Stiefel bzw. Kleidung vorhanden – in zwölf fehlte diese Einrichtung. Von den 20 Betrieben mit der Möglichkeit zum Wechseln nutzen dies neun nicht, d. h. in 19 von 32 Betrieben findet keine aktive Vermeidung der Erregereinschleppung statt. Diese Situation sollte im Sinne einer verbesserten Biosicherheit und Tierhygiene dringend geändert werden. Empfehlenswert sind die Entwicklung von Wegekonzepten auf landwirtschaftlichen Betrieben und die bewusste Nutzung einer Hygieneschleuse durch alle Akteure zur Verringerung der Erregerverschleppung und Vermeidung der Tierseuchenverschleppung.

Durch die vielfältigen Strukturen der rinderhaltenden Betriebe in NRW (z.B. gewachsene Milchviehbetriebe mit mehreren Ställen, Reine Mast- wie auch Kombibetriebe) ist ein einheitliches Vorgehen wenig zielführend. Aus diesem Grund sollen typische Betriebe in NRW identifiziert werden, in denen eine Hygieneschleuse auf einem bestmöglichen Niveau (abhängig vom Betrieb) eingerichtet wird. Die konsequente Benutzung dieser Einrichtung soll durch Einbindung aller überbetrieblich aktiven Personen erzielt werden. Hierfür sollen sowohl die ausführenden Vor-Ort-Kräfte, wie auch die Unternehmen angesprochen werden. Die Herausforderungen der Einrichtung einer Hygieneschleuse, deren Benutzung, auch über einen längeren Betrachtungszeitraum, sind Gegenstand von Akzeptanz- und Einstellungsuntersuchungen.
Ziel dieser Einrichtungen von Hygieneschleusen ist es, die hemmenden Faktoren einer kontinuierlichen Nutzung zu identifizieren, um diese nachfolgend in weiteren Betrieben erfolgsversprechend umsetzen zu können. Hierfür werden auch Lehrfahrten mit weiteren interessierten Landwirten zu den ersten Projektbetrieben (u.a. „best practice“, Erfahrungsberichte durch die Landwirte) geplant.
Hauptziel ist somit, die Abschirmung der rinderhaltenden Betriebe vor relevanten Erregereinträgen praxisorientiert und nachhaltig umzusetzen.

Origialmeldung:
https://www4.fh-swf.de/de/home/forschung/forschungshighlights/hygieneschleuse_rind/Index.php#

Ansprechpartnerin:
FH Südwestfalen
Leiterin Hochschulkommunikation
Birgit Geile-Hänßel
+49 (0)2371 566 100
haenssel.birgit@fh-swf.de
2020-03-20T13:47:48+01:0020.03.2020|Kategorien: Gesundheit & Pflege|Tags: |
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