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Die ideale Sturmfeder

Westfälische Hochschule ist auf der Spur der idealen Dachpfannen-Sturmfeder.

Die ideale Sturmfeder: Prof. Dr. Franz-Josef Peitzmann (l.), Karl-Hans Schröter (M.) und Diplom-Ingenieur Jürgen Lütfrink sind gemeinsam der idealen Sturmfeder auf der Spur (Bild: WH | BL).

© WH | BL

Bocholt/Hamminkeln, 11. Oktober 2018. Die Westfälische Hochschule in Bocholt und die Hamminkelner Firma „Lütfrink Technische Federn“ sind auf der Spur der idealen Dachpfannen-Sturmfeder. Solche Klammern verhindern, dass Stürme Löcher in Dachflächen reißen. Zurzeit gibt es sehr viele – Hunderte, wenn nicht sogar mehr als tausend – verschiedene Typen von Dachklammern und Sturmfedern. Das Forscherteam will auf eine kleine Auswahl von universellen Klammern kommen, die farblich sortiert den Dachdeckern die Arbeit in luftiger Höhe erleichtern. Zugleich ist den Sturmklammern ein von Lütfrink patentiertes Federelement eingebaut, wodurch die Klammern flexibler und damit besser auf Sturmsog reagieren können. In zwei Jahren soll ein an der Hochschule entwickeltes universelles Simulationsmodell für die Zuverlässigkeitsprüfung von Sturmfedern zur Verfügung stehen.

Die ideale Sturmfeder schützt vor Sturmschäden

Nicht versehentlich oder wegen ungünstiger Umstände, sondern mit Bedacht und Absicht hat jetzt die Berliner Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen AiF rund eine Viertel Million Euro in den Wind geschrieben. Das ist wörtlich zu verstehen, denn es geht darum zu verhindern, dass Sturmwind Dächer abdeckt. Das Geld geht an die Westfälische Hochschule (WH) in Bocholt und an die Hamminkelner Firma Lütfrink, die gemeinsam die „ideale Sturmfeder“ als Schutzmaßnahme gegen Sturmschäden entwickeln wollen. Bereits im letzten Jahr hatte WH-Professor Dr. Franz-Josef Peitzmann ein Forschungsvorhaben abgeschlossen, bei dem die von der Firma „Lütfrink Technische Federn GmbH“ entwickelten und patentierten Sturmfedern auf ihre Zuverlässigkeit geprüft worden waren. Sie sollen verhindern, dass die Dachpfannen im Windsog der Lee-Seite vom Dach fliegen. Auf einem Prüfstand an der Westfälischen Hochschule in Bocholt hatten die Forscher die Sogwirkung des Windes mit hydraulisch gezogenen Drahtseilen normgerecht geprüft.

In dem jetzt für die kommenden zwei Jahre bewilligten und bezuschussten Projekt gehen die Forscher einen deutlichen Schritt weiter: An der Westfälischen Hochschule soll ein Simulationssystem entstehen, dass ohne Prüfstand Sturmfedervarianten untersucht und qualifizierte Aussagen über Qualitätsstandards machen kann. Außerdem werden die Forscher voraussichtlich in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres das eigene Computermodell in der Realität eines Windkanals überprüfen. Dafür hat sich die Bocholter Hochschule der Mithilfe des Instituts für Schiffbau an der Universität Hamburg-Harburg versichert. In deren Windkanal wird dann für ausgewählte Muster von Pfannen und Klammern ein lebensnaher Test stattfinden. Der Windkanal kann Windgeschwindigkeiten bis zur Orkanstärke erzeugen, Peitzmann: „Bis die Pfanne fliegt.“

Variantenvielfalt reduzieren

Am Ende der wissenschaftlichen Arbeit wird ein modulares, flexibles, getestetes und damit normgerecht überprüftes Computermodell Vorhersagen zu allen Formen und Varianten von Sturmklammern und -federn treffen können, so Peitzmann. Von denen gebe es allerdings heute viel zu viele, so Diplom-Ingenieur Jürgen Lütfrink, Inhaber und Geschäftsführer der Firma Lütfrink. Das ist dem Umstand geschuldet, dass es deutschlandweit Spezialklammern für unterschiedlichste Dachpfannen und Dachlattenmaße gibt. Lütfrink: „Gerne würden wir die Variantenvielfalt auf vielleicht fünf Typen harmonisieren. Und wenn die dann farblich sortiert werden, hat der Dachdecker es nicht nur auf dem Dach einfacher, sondern er kann Restposten auch einfacher einem späteren Zweck zuführen. Jetzt gibt es so viele verschiedene Typen, dass die Sortierung und Bevorratung für spätere Verwendungen zu aufwendig ist und daher nicht passiert.“

„Die wissenschaftliche und praktische Zusammenarbeit zwischen Hochschule und mittelständischem Unternehmen halte ich für ein äußerst gelungenes Beispiel für regionalen Technologietransfer aus innovativem Denken, Forschung, Entwicklung und Marktreife“, freut sich Prof. Dr. Franz-Josef Peitzmann von der Westfälischen Hochschule. Damit deutet er zugleich an, dass die Bocholter Hochschulabteilung durchaus noch Kapazitäten für weitere solcher Projekte hat: „Sprechen Sie uns an“, so sein Appell an Industrieunternehmen im Westmünsterland und am Niederrhein.

Origialmeldung:
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Ansprechpartner:
Westfälische Hochschule
Prof. Dr. Franz-Josef Peitzmann
+49 (0)2871 2155 916
franz-josef.peitzmann@w-hs.de
2018-10-11T12:15:59+00:0011.10.2018|Kategorien: Produktion & Fertigung, Wirtschaft & Unternehmen|Tags: |