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Technologie, die beflügelt2021-05-27T12:46:31+02:00

Projekt Beschreibung

Mit „positiver“ Technikgestaltung Lebensqualität und Wohlbefinden verbessern

Smart, innovativ und digital zu mehr Lebensqualität

© Henning Photographie | Hochschule Ruhr West

Nicht alle Menschen lieben Technik. Für manche ist sie mehr Fluch als Segen, zum Beispiel, wenn ein Computervirus den PC zum Absturz bringt, wenn das Navi den Weg nicht findet oder die Klimaautomatik im Auto streikt. Solche Erfahrungen sind unangenehm und führen dazu, dass wir uns beim nächsten Mal nicht mehr ganz so selbstverständlich auf unsere Geräte und Computerprogramme verlassen.

Doch technische Systeme können auch das Gegenteil bewirken. Smart, innovativ und digital können sie Menschen zu mehr Lebensqualität und Wohlbefinden verhelfen und sie bei der Entfaltung ihrer Stärken unterstützen. So sehen es die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des neuen „Instituts Positive Computing“ an der Hochschule Ruhr West (HRW). Sie entwerfen, entwickeln und bewerten Geräte, Apps und Programme, die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in verschiedenen Lebens- und Arbeitsbereichen Nutzen bringen und positiv auf sie einwirken sollen. Ziel ist es, akute gesellschaftliche Bedürfnisse zu befriedigen und sozialen Herausforderungen zu begegnen.

Von Hardware bis Verhaltensforschung

Die Bandbreite der Instituts-Forschung ist groß. Sie reicht von soziologischen Themen über psychologische Konzepte bis hin zu Software- und Hardwareentwicklung oder Sicherheitsfragen. „In einem Projekt untersucht eine Kollegin beispielsweise, ob Bewerbungsprozesse im Internet geschlechtergerecht angelegt sind“, sagt Prof. Dr. Stefan Geisler, Gründungssprecher des Instituts und Professor für Angewandte Informatik und Mensch-Maschine-Interaktion an der HRW. „Der Aufbau von Webseiten, ihre Navigation, Farben, Symbole oder Sprache werden von Männern und Frauen unterschiedlich wahrgenommen“, erklärt er. Das Projekt soll zeigen, wie Online-Bewerbungsportale zu gestalten sind, damit sich beide Gruppen gleich häufig bewerben.

In einem anderen Projekt geht es um mehr Sicherheit in der metallverarbeitenden Industrie. Derzeit im Test: eine datenverarbeitende Brille für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei Bedarf prozessrelevante Informationen anzeigt oder vor Gefahren warnt. Dadurch sollen Unfallrisiken minimiert und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz gesteigert werden. Wieder ein anderes Projekt beschäftigt sich mit der Erzeugung virtueller Lernumgebungen, die Menschen als besonders angenehm oder inspirierend empfinden könnten. Begleitende Messungen der Herzfrequenz oder der Augenbewegungen bei Probandinnen und Probanden sollen zeigen, in welcher Umgebung welche Lerninhalte am besten verarbeitet werden.

Entscheidungsfreiheit bewahren

Allen Projekten gemeinsam ist der positive Technikbegriff als unterstützendes, motivierendes Medium, das den Nutzer oder die Nutzerin selbstbestimmt und kontrolliert an sein oder ihr Ziel heranführt. „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen das Gefühl haben, trotz technischer Hilfe selbst entscheiden zu können, welche Arbeitsschritte sie machen und welche Ergebnisse sie erzielen möchten“, sagt Geisler. Tatsächlich stünden viele technischen Neuerungen zunächst kritisch gegenüber. Einen Lösungsansatz sieht Geisler in der Technik selbst: „Die Visualisierung des Ergebnisses beispielsweise, das durch die Anwendung einer App oder eines neuen Werkzeugs erzielt wurde, kann die Akzeptanz steigern.“ Der Zusammenhang von Technikeinsatz und Handlungserfolg werde so klarer und fördere nicht zuletzt die Identifikation mit der zu bewältigenden Aufgabe.

Positive Technikunterstützung schafft also mehr Motivation, bessere Ergebnisse, zufriedenere Kunden – diese Überzeugung will das Institut weiter verfolgen. „Gerne auch mal im Rahmen kleinerer Projekte oder im Bereich der Grundlagenforschung, die dann mit Partnerinnen und Partnern aus der Praxis in die Anwendung gebracht werden soll“, sagt Geisler. Durch die finanzielle Unterstützung aus dem Förderprogramm FH KOMPETENZ des Wissenschaftsministeriums NRW sei das Forscherteam weitgehend frei in der Schwerpunktsetzung.

Nachhaltigkeit und Wachstum

Ein breites, interdisziplinäres Forschungsspektrum zum einen, Ungebundenheit in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung zum anderen – das sei das Schöne und auch das Besondere des neuen Instituts, sagt Geisler. Egal ob für soziale Einrichtungen oder die metallverarbeitende Industrie: Die Projekte, deren technische Lösungen sich für den Menschen am meisten bewähren, sollen in einem Regelkatalog mit allgemeinen Erkenntnissen zusammengetragen werden. An ihrer Zusammenstellung sind auch Doktorandinnen und Doktoranden beteiligt, die das Institut beschäftigt und betreut. Kooperationen der HRW bestehen unter anderem mit der Universität Duisburg-Essen, der Ruhr-Universität Bochum oder der schwedischen Linné-Universität. „Diese Verbindung von Austausch, Lehre, Forschung und Transfer gewährleistet auch, dass unser Institut weiter wächst“, sagt Geisler. „Und dass wir den positiven Nutzen von Technik für den Menschen nachhaltig erforschen können.“

Kontakt
Hochschule Ruhr West
Institut Positive Computing
Prof. Dr. Stefan Geisler
+49 (0)208 88254 804
stefan.geisler@hs-ruhrwest.de

Weitere Informationen
www.prosense.info
www.vitting.design.fh-aachen.de/forschung/

Text
Netzwerkbüro HN NRW | Eva Helm

 

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