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Digitale Brücken bauen2021-05-27T12:46:37+02:00

Projekt Beschreibung

Mit Tools, Apps und Co. zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen

Digitale Medien als Lösung gesellschaftlicher Probleme

© Syda Productions | shutterstock

Das Internet verbindet uns mit der Welt. Seine Anwendungen und Dienste schaffen schier unbegrenzt Zugang zu Informationen, gestalten neue soziale Räume und Kommunikationsformen – und sie werden jeden Tag von Millionen Menschen genutzt. Das birgt Chancen, aber auch Risiken und verändert unser Zusammenleben grundlegend.

Es ist ebendiese Beziehung zwischen moderner Technik und Sozialdynamik, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der FH Münster so fasziniert. Um sie in möglichst vielen Facetten zu beleuchten, haben mit Prof. Dr. Gernot Bauer und Prof. Dr. Sebastian Schinzel vom Fachbereich Elektrotechnik und Informatik, Prof. Tina Glückselig vom Fachbereich Design und Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani vom Fachbereich Sozialwesen vier von ihnen Anfang 2016 den interdisziplinären Forschungsschwerpunkt „Gesellschaft und Digitales“ gegründet. Gemeinsam wollen sie untersuchen, wie digitale Medien zur Lösung aktueller gesellschaftlicher Probleme beitragen können.

Kooperation erhöht Wirksamkeit

Es ist eine weit gefasste Frage, die viele Lebens- und Forschungsbereiche tangiert. Bei „Gesellschaft und Digitales“ stehen die Themen Flüchtlingskrise, Klimawandel, Datenschutz und Privatsphäre, Bürgerbeteiligung, Nachhaltigkeit und Erinnerungskultur im Zentrum. Entsprechende Projekte befassen sich beispielsweise damit, wie digitale Medien zu einem wertschätzenden Umgang mit Vielfalt beitragen können, welche Verfahren die Vertraulichkeit von Daten schützen oder wie sich durch moderne Informations- und Kommunikations-Tools das Bewusstsein für Nachhaltigkeit schärfen lässt. „Natürlich haben wir auch schon vorher zu diesen Fragen geforscht“, sagt Prof. Dr. Gernot Bauer, Sprecher der Kooperation. Die Einrichtung des Forschungsschwerpunktes verleihe dem Ganzen jedoch mehr Wirkungsvermögen – mit einem strukturellen Überbau, unter dem die Aktivitäten gebündelt und intensiver bearbeitet werden können. „Wir tauschen uns häufiger aus, gleichen Themen ab und unterstützen uns bei der Akquise von Fördermitteln“, so Bauer. Die Gründung eines Expertenbeirats, der das interdisziplinäre Team fachlich unterstützt, sowie eine Kolloquiumsreihe für den wissenschaftlichen Nachwuchs sind ebenfalls geplant.

Emotionen im Netz messbar machen

Der verstärkte Austausch trägt bereits Früchte. Erst vor Kurzem haben Bauer und sein Kollege El-Mafaalani ein neues Projekt entwickelt, das politikwissenschaftliche Forschung mit Informatik verbindet und so exemplarisch für die Grundidee des Forschungsschwerpunktes steht. Es greift das soziologische Phänomen der Hassrede auf, wie sie etwa in sozialen Netzwerken durch diffamierende Kommentare oder Verunglimpfung von Personen betrieben wird, und versucht, eine technische Antwort darauf zu finden.

Entstehen soll ein Internet-Tool, das den Hassgehalt von Webseiten analysiert und bewertet. „Unser digitales Werkzeug funktioniert ähnlich einem Spam-Filter in einem E-Mail-Account“, erklärt Bauer. Mit Hilfe moderner Methoden der Mustererkennung und Contentfilterung scannt es die Sprache auf einer Seite sowie einzelne Wörter, Ausdrücke oder Satzkonstruktionen, die zuvor in einer Datenbank oder Negativliste als zur Hassrede zugehörig gekennzeichnet wurden. Abhängig von der Anzahl der Treffer nimmt das Programm dann eine Einschätzung des Hasspotenzials vor und gibt dieses auf einer vorher definierten Skala wieder. Das soll vor allem Eltern und Pädagogen dabei unterstützen, „Hass-Seiten“ als solche zu erkennen und den Zugang von Kindern und Jugendlichen darauf zu regulieren.

Innovationstreiber Digitalisierung

Bauer und seine Kolleginnen und Kollegen entwickeln also digitale Lösungen für digitale Probleme. „Klar ist, dass sich das Internet nicht ändern wird“, sagt Bauer. „Ändern muss sich der Umgang damit.“ Auch das ist ein Ziel des Forschungsschwerpunktes: mit digitalen Mitteln Gefährdungspotenzial aufzeigen, Handlungskompetenzen stärken, Orientierung stiften.

Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten. Im Gegenteil, sie ist einer der größten Innovationstreiber in Deutschland und steht auch für die Bundesregierung an erster Stelle bei den Zukunftsaufgaben ihrer „Hightech-Strategie“. In den nächsten 10 bis 20 Jahren werde sich in diesem Bereich also viel tun, prognostiziert Bauer. Neben Smartphones und Tablets werden neue Plattformen für Internetanwendungen wie Uhren, Brillen oder auch Drohnen an Bedeutung gewinnen. „Deshalb ist es wichtig, dass wir eine Brücke schlagen zwischen der Sprache der Technik und unserem Alltag“, sagt Bauer. Dazu gehört auch der Transfer wissenschaftlicher Theorie in die Praxis, weshalb das interdisziplinäre Forscherteam mit Kooperationspartnern wie dem Naturschutzbund (NABU), dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge oder der Verbraucherzentrale NRW e. V. eng zusammenarbeitet. Ein zukunftsweisendes Projekt, findet auch das Land NRW: Bis 2017 wird „Gesellschaft und Digitales“ durch das NRW-Förderprogramm FH STRUKTUR finan-ziell unterstützt.

Kontakt
FH Münster
Gesellschaft und Digitales
Prof. Dr. Gernot Bauer
+49 (0)251 83 62540
gernot.bauer@fh-muenster.de

Weitere Informationen
www.prosense.info
www.vitting.design.fh-aachen.de/forschung/

Text
Netzwerkbüro HN NRW | Eva Helm

 

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