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Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung

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Prof.in Dr.in Sabrina Eimler

Digitalisierung partizipativ und wohlbefindensorientiert denken

Die Digitalisierung aller Bereiche des alltäglichen Lebens hat sich in Deutschland insbesondere durch die Pandemie beschleunigt. Technologische Megatrends wie Künstliche Intelligenz, Robotik, Virtual Reality und Augmented Reality werden ebenso diskutiert, wie die angespannte Situation von Zeitdruck, Leistungsdruck und Personalmangel in der Pflege. Das Institut Positive Computing versucht im Projekt PARCURA, gemeinsam mit den Projektpartner:innen, beide Welten zu vereinen. In einem partizipativen Prozess werden, gemeinsam mit den Pflegekräften als Expert:innen, Anwendungen für Datenbrillen zur Entlastung des Pflegepersonals entwickelt. Gute Interaktionsarbeit soll hierdurch mit dem Blick auf Wohlbefinden und Potenzialentfaltung verbessert werden.

Interview mit Prof.in Dr.in Sabrina Eimler

Sie sind Mitinitiatorin des Instituts Positive Computing an der Hochschule Ruhr-West. Was sind die Forschungsschwerpunkte des Instituts?
Die Idee von Positive Computing stellt menschliches Wohlbefinden und Potenzialentfaltung in den Mittelpunkt der Technologieentwicklung. Nicht mehr nur die reine Nutzungsfreundlichkeit und Produktivitätssteigerung durch den Einsatz von Technologien sondern der Einsatz im Dienste des Menschen und der Gemeinschaft stehen im Vordergrund. Die Beteiligung des Individuums an der Entwicklung neuer Anwendungen, und damit auch Ideen von Chancengleichheit und Diversity in Innovationsprozessen, ist dabei zentral. Die Kolleg:innen im Institut forschen aktuell unter anderem zu intergenerationalen Innovationsprozessen, Smart Home Anwendungen und Fairness in KI-Systemen. Mein Team und ich betrachten unter anderem Einsatzbereiche von Virtual und Augmented Reality, z.B. Gelingensbedingungen von positiver Mensch-Roboter-Kollaboration mittels einer VR-Forschungsumgebung. Wir gestalten Zukunftsszenarien, die sicher und kontrolliert die Kollaboration und gemeinsame Entscheidungsfindung des Menschen mit einem KI-gestützten Industrieroboter erforschbar machen.

PARCURA steht für die partizipative Einführung von Datenbrillen im Krankenhaus. Wie sind Sie auf die Projektidee gekommen und was möchten Sie damit erreichen?
Wir beschäftigen uns bereits länger mit den Möglichkeiten von Datenbrillen im Kontext von Arbeit und Lernen. Im Forschungsprojekt Damokles 4.0 wurden Szenarien entworfen und getestet, wie Datenbrillen zur Arbeitsunterstützung in der Schwerindustrie genutzt werden können. Unsere bisherigen Erfahrungen bei der Gestaltung und Entwicklung finden bei PARCURA Anwendung. Viele Datenbrillen sind heutzutage noch ungeeignet für einen flächendeckenden Einsatz: zu schwer, zu empfindlich, limitierte Anzeigemöglichkeiten, kurze Akkulaufzeit, schnelle Überhitzung. Im Kontext der Pflege treten die zwischenmenschliche Komponente und der Hygieneaspekt besonders in den Vordergrund. Das war für uns interessant. Wir möchten Pflegekräfte entlasten und die Qualität ihrer Arbeit weiter unterstützen. Die Technologie entwickelt sich schnell. Um einen Mehrwert zu schaffen und Akzeptanz zu sichern, ist es wichtig, die zukünftigen Nutzenden als Expert:innen für ihre Arbeit eng in die Entwicklung einzubeziehen. Sinnvolle Einsatzszenarien und Vorteile erfassen wir dabei ebenso wie die Hürden, Bedenken und Risiken. Im Projekt fokussieren wir beispielsweise die kardiologische Station, insbesondere im Nachtdienst. Die gesammelten Erkenntnisse sollen jedoch als Grundlage für weitere Szenarien und Einführungsprozesse von Datenbrillen im Pflegekontext dienen.

Fotoscribble aus Projekt PARCURA

An welchem Punkt des Projektes stehen Sie aktuell?
Die Pandemie macht es nicht leicht, partizipative Verfahren umzusetzen. Unsere Präsenz Vorort im Krankenhaus und die enge Interaktion zwischen Pflegenden, Patient:innen und Forschenden am Objekt Datenbrille sind in der aktuellen Situation nur eingeschränkt und unter Berücksichtigung vieler Maßnahmen möglich. Wir haben verschiedene Brillen in den Krankenhäusern vorgestellt und uns zunächst einen Eindruck und Überblick verschafft, welche Voraussetzungen und Einstellungen gegenüber neuen Technologien die Pflegekräfte mitbringen. Neben Einsatzszenarien, haben wir Chancen und Risiken, nicht nur von Pflegekräften sondern in einem weiteren Kreis von Beschäftigten im Krankenhaus, in einer größeren Onlinestudie erhoben. Wichtig war uns auch, zu erfahren, welche Veränderungen die Teilnehmenden durch die Einführung einer Datenbrille an ihrem Arbeitsplatz erwarten und wie sie sich damit fühlen. Im nächsten Schritt entwickeln wir hieraus prototypische Anwendungen.

Bei Parcura arbeiten Sie mit Augmented Reality. Wie reagiert das Pflegepersonal darauf?
Unsere ersten Ergebnisse zeigen, dass das Pflegepersonal in den Partnerkrankenhäusern sehr positiv gestimmt ist. Sie engagieren sich aktiv in verschiedenen partizipativen Workshops und nehmen an Befragungen teil. Die Befragten sind recht vertraut mit verschiedenen neuen Technologien, die Vorerfahrung mit Augmented und Virtual Reality Brillen ist allerdings bisher noch eher gering. Wir freuen uns sehr über das große Interesse und Engagement, was wir hier erleben, über die vielen Ideen und Wünsche, aber gleichermaßen über die Zweifel und Bedenken. Für unseren Entwicklungsprozess und das Gelingen des Projekts ist dies von großer Bedeutung.

Was reizt Sie persönlich an der Forschung zum Thema Digitalisierung und Informatik?
Informatik und Digitalisierung durchdringen jeden Bereich unseres Alltags und sind damit entscheidend dafür, in welcher Zukunft wir leben. Hierdurch bestimmt die Art, wie neue Entwicklungen entstehen, welche Systeme gebaut werden und mit welchen Eigenschaften sie ausgestattet sind auch, wer von den neuen Technologien profitiert. Menschen können zum Beispiel aufgrund von unterschiedlichen Rollen und damit verbundenen Verhaltenserwartungen andere Bedürfnisse an Technologien oder andere Nutzungsmuster haben. Als Entwickelnde können wir uns entscheiden, uns diese bewusst zu machen und Wege zu finden, einer Vielfalt von Menschen eine Stimme zur Gestaltung einer chancengerechteren Zukunft zu geben. Diese Fragen und Herausforderungen reizen und motivieren mich.

Steckbrief

Prof.in Dr.in Sabrina Eimler | HS Ruhr West
  • Prof.in Dr.in Sabrina Eimler, Professorin für Human Factors und Gender Studies | Hochschule Ruhr West

  • E-Mail: sabrina.eimler@hs-ruhrwest.de

  • Meine Forschungsgebiete: … nutzen interdisziplinäre Perspektiven und Methoden aus Psychologie, Informatik, Kulturwissenschaften und BWL. Neben Augmented und Virtual Reality zur Gestaltung der Zukunft der Arbeit oder innovativer Lehr-/Lernszenarien, sind die Themen Soziale Robotik und die Nutzung von KI-Systemen im Kampf gegen Diskriminierung und Hass im Netz besonders wichtige Themen in unserer aktuellen Forschungsaktivität

Kurzvita

  • Seit 1/2015 Professorin für Human Factors & Gender Studies an der Hochschule Ruhr West (HRW)
  • Promotion in der Medien- und Sozialpsychologie (Prof.in Dr.in Nicole Krämer) an der Universität Duisburg-Essen
  • Bis 2009 Studium der Angewandten Kognitions- und Medienwissenschaften (M.Sc.), Kulturwirt (M.A.)

Weitere Aktivitäten:

  • Gründungsmitglied des Forschungsinstituts Positive Computing
  • Gründungsmitglied Prosperkolleg e.V.: Anwendungsorientierte Forschung und Wissenstransfer in die Gesellschaft
  • Startupbeauftragte am HRW-Standort Bottrop

Weiterführende Links zum Thema oder Projekt

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2021-04-28T11:53:54+02:0027.04.2021|Kategorien: Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung|
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